Natürliche Farben aus Algen – Grün, Blau, Rot und Gold

Natürliche Farben aus Algen eröffnen faszinierende Möglichkeiten für die moderne Bäckerei und Konditorei.

Grüne Brote, blaue Baguettes, gelbe Teige oder außergewöhnlich gefärbte Cremes – vieles lässt sich mit ausgewählten Algen und ihren natürlichen Pigmenten gestalten.

Als Bäckermeister, Konditor und Produktentwickler beschäftige ich mich intensiv mit diesen Möglichkeiten.

Dabei habe ich aber auch gelernt:

Eine schöne Farbe im Rohstoff bedeutet nicht automatisch eine schöne Farbe nach dem Backen.

Denn natürliche Algenpigmente reagieren sehr unterschiedlich auf Hitze, Licht, Säure und Verarbeitung.

Woher kommen die natürlichen Farben aus Algen?

Algen besitzen unterschiedliche Pigmente, die sie unter anderem für die Photosynthese und die Aufnahme von Licht benötigen.

Zu den bekanntesten gehören:

  • Chlorophyll – grüne Farbtöne
  • Phycocyanin – intensive Blautöne
  • Phycoerythrin – rötliche Farbtöne
  • Carotinoide – gelbe bis orangefarbene Töne
  • Fucoxanthin – gelblich-braune Pigmente bestimmter Braunalgen

Diese Vielfalt ist für die Lebensmittelentwicklung interessant.

Allerdings sind nicht alle Pigmente gleichermaßen als Lebensmittelzutat verfügbar oder für jede Anwendung geeignet.

Eine wissenschaftliche Übersicht über Algenpigmente in der Lebensmittelindustrie beschreibt sowohl ihre Möglichkeiten als auch die Herausforderungen bei der Verarbeitung.

Grün – Chlorella in Brot und Pâtisserie

Die grüne Farbe von Chlorella entsteht hauptsächlich durch Chlorophyll.

Mit grüner Chlorella lassen sich interessante Farbkontraste in Teigen, Cremes und anderen Lebensmitteln erzielen.

Bei meiner Produktentwicklung arbeite ich gerne mit verschiedenen Teigfarben.

Ein gutes Beispiel ist mein Algen-Swirl Toast mit Chlorella, Kurkuma und Quinoa.

Hier kombiniere ich einen grünen Chlorella-Teig mit einem gelben Teig.

Durch das Aufrollen entsteht beim Anschneiden eine auffällige zweifarbige Spirale.

Auch mein Sommerstollen mit Chlorella, Zitrusfrüchten und Grand Marnier zeigt, wie man einen traditionellen Gebäckklassiker farblich neu interpretieren kann.

Blau – Spirulina und Phycocyanin

Eine der faszinierendsten Farben aus der Welt der Algen ist für mich Blau.

Das blaue Pigment Phycocyanin wird unter anderem aus Spirulina gewonnen.

Spirulina gehört biologisch zu den Cyanobakterien, wird im Lebensmittelbereich aber häufig zusammen mit Mikroalgen betrachtet.

Mit Phycocyanin lassen sich außergewöhnliche Blautöne erzeugen.

Ein Beispiel aus meiner eigenen Produktentwicklung ist die Alguette Blue – französisches Baguette mit blauer Spirulina und Heidelbeeren.

Dabei kombiniere ich einen klassischen Baguetteteig mit blauem Phycocyanin und getrockneten Heidelbeeren.

Vor dem Backen besitzt der Teig eine intensive blaue Farbe.

Doch während des Backens verändert sie sich.

Warum verliert Phycocyanin beim Backen seine Farbe?

Phycocyanin ist ein empfindliches Pigmentprotein.

Insbesondere höhere Temperaturen können seine Struktur verändern und damit die intensive blaue Farbe beeinträchtigen.

Untersuchungen zeigen, dass Phycocyanin unter geeigneten Bedingungen bei relativ niedrigen Temperaturen stabiler bleibt, während höhere Temperaturen, Licht und ungünstige pH-Werte den Abbau beschleunigen können.

Mehr dazu erklärt eine wissenschaftliche Untersuchung zur Stabilität von Phycocyanin.

Genau diese Grenze habe ich bei meiner Alguette Blue beobachtet.

Aus dem intensiven Blau des ungebackenen Teiges entsteht nach dem Backen eine wesentlich dezentere blau-grüne Krume.

Für mich ist das kein gescheiterter Versuch, sondern eine wichtige Erkenntnis.

Natürliche Farben muss man im fertigen Produkt beurteilen – nicht nur im Rohteig.

Rot – ein spannendes, aber anspruchsvolles Pigment

Auch rote Pigmente kommen bei bestimmten Algen vor.

Ein Beispiel ist Phycoerythrin, das zu den sogenannten Phycobiliproteinen gehört.

Es trägt zur Färbung vieler Rotalgen bei.

Für die Pâtisserie sind solche Pigmente grundsätzlich interessant, allerdings sind ihre Stabilität, Verarbeitung und lebensmittelrechtliche Eignung sorgfältig zu prüfen.

Nicht jedes rote Algenpigment ist bereits eine gewöhnlich einsetzbare Lebensmittelfarbe.

Für meine eigenen Produkte arbeite ich deshalb häufig mit einer Kombination aus Algen und Früchten.

So können beispielsweise Himbeeren oder Heidelbeeren zusätzliche natürliche Farb- und Geschmackskomponenten liefern.

Gold und Gelb – Carotinoide und besondere Chlorella-Varianten

Neben Grün und Blau interessieren mich auch gelbe und goldene Farbtöne.

Bestimmte Algen enthalten Carotinoide, die gelbliche oder orangefarbene Farben erzeugen können.

Auch Fucoxanthin, ein Pigment vieler Braunalgen, gehört zu dieser Gruppe.

Besonders spannend finde ich jedoch die unterschiedlichen Varianten von Chlorella.

Aliga Microalgae – grüne, weiße und gelbe Chlorella

Ein interessantes Unternehmen in diesem Bereich ist Aliga Microalgae aus Dänemark.

Aliga entwickelt verschiedene Chlorella-Rohstoffe für die Lebensmittelindustrie.

Dazu gehören:

Grüne Chlorella: mit natürlichem Chlorophyll und grüner Farbe.

Gelbe beziehungsweise goldene Chlorella: mit reduziertem Chlorophyllgehalt, wodurch andere Pigmente deutlicher sichtbar werden.

Weiße Chlorella: nahezu ohne Chlorophyll, mit heller Farbe und vergleichsweise neutralem Geschmack.

Gerade diese Vielfalt finde ich für Bäckerei und Pâtisserie bemerkenswert.

Denn damit lässt sich die Auswahl eines Algenrohstoffes viel stärker auf das gewünschte Produkt abstimmen.

Weiße Chlorella – wenn die Farbe nicht im Vordergrund steht

Nicht immer möchte ich ein Gebäck intensiv färben.

Manchmal ist genau das Gegenteil interessant.

Bei einer klassischen Brioche, einer hellen Creme oder einer Ganache möchte ich möglicherweise eine Algenzutat einsetzen, ohne die ursprüngliche Farbe stark zu verändern.

Hier bietet weiße Chlorella neue Möglichkeiten.

Bei meiner Algen-Flower mit Chlorella, schwarzer Tahinpaste und Himbeere verwende ich beispielsweise grüne Chlorella im dekorativen Croissantteig und weiße Chlorella in der Ganache montée.

Damit erfüllt die Chlorella in ein und demselben Produkt zwei unterschiedliche Aufgaben.

Genau solche Kombinationen machen die Arbeit mit Mikroalgen für mich interessant.

Was passiert mit natürlichen Algenfarben beim Backen?

Die Backtemperatur ist eine der größten Herausforderungen.

Während ein Teig im Inneren deutlich niedrigere Temperaturen erreicht als an seiner Oberfläche, wird die Kruste sehr stark erhitzt.

Das kann natürliche Pigmente verändern.

Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle:

  • Temperatur und Backzeit
  • pH-Wert des Teiges
  • Feuchtigkeit
  • Sauerstoff und Licht
  • Konzentration des Pigments
  • Zusammensetzung des gesamten Produktes

Chlorophyll kann sich unter bestimmten Bedingungen von einem kräftigen Grün in einen olivgrünen Farbton verändern.

Phycocyanin verliert bei stärkerer thermischer Belastung häufig einen Teil seiner blauen Intensität.

Auch Carotinoide können durch Hitze und Oxidation verändert werden.

Deshalb muss jede Farbe unter realen Produktionsbedingungen getestet werden.

Welche natürlichen Algenfarben eignen sich für Pâtisserie?

In der Pâtisserie haben wir teilweise andere Möglichkeiten als in der Bäckerei.

Eine kalt verarbeitete Creme wird nicht derselben thermischen Belastung ausgesetzt wie ein Baguette oder ein Croissant.

Dadurch können temperaturempfindliche Pigmente besser erhalten bleiben.

Für mich sind deshalb besonders interessant:

Grüne Chlorella in Cremes und Ganaches.

Blaues Phycocyanin in geeigneten kalten oder nur mild erwärmten Zubereitungen.

Gelbe Chlorella für neue Farbkombinationen.

Weiße Chlorella für Anwendungen, bei denen der Rohstoff geschmacklich und optisch möglichst dezent bleiben soll.

Trotzdem müssen auch bei kalten Produkten pH-Wert, Lagerung und Lichtempfindlichkeit berücksichtigt werden.

Nicht nur Farbe – sondern echte Produktentwicklung

Eine außergewöhnliche Farbe kann Aufmerksamkeit erzeugen.

Aber sie allein macht noch kein gutes Produkt.

Als Bäckermeister und Konditor ist für mich entscheidend, dass Geschmack, Textur, Verarbeitung und Optik zusammenpassen.

Bei einer Alguette muss das Ergebnis weiterhin ein gutes Baguette sein.

Bei einer Algen-Flower erwarte ich eine feine Blätterung und eine harmonische Füllung.

Und bei einer Tartelette muss zuerst die Pâtisserie überzeugen.

Weitere Beispiele meiner Arbeit findest du in meinen Algen-Rezepten und Produktentwicklungen.

Mein Fazit – natürliche Farben aus Algen

Natürliche Farben aus Algen bieten eine beeindruckende Vielfalt für Bäckerei und Konditorei.

Grün aus Chlorella, Blau aus Phycocyanin sowie gelbliche und rötliche Pigmente eröffnen kreative Möglichkeiten.

Aber jede Farbe besitzt eigene technologische Grenzen.

Für mich ist deshalb nicht entscheidend, wie intensiv ein Teig vor dem Backen gefärbt ist.

Entscheidend ist, wie Farbe, Geschmack und Qualität im fertigen Produkt zusammenwirken.

Genau dort beginnt für mich die Verbindung zwischen traditionellem Bäckerhandwerk und innovativer Algen-Produktentwicklung.

Weitere Grundlagen findest du in meiner Rubrik Grundwissen über Algen.